Hochzeitstanz: Muss man den überhaupt machen?

Der Eröffnungstanz gehört für viele Menschen genauso zu einer Hochzeit wie Hochzeitstorte, Brautstrauß und Ringe. Zumindest theoretisch.

In der Praxis erlebe ich aber immer wieder Paare, die beim Gedanken daran eher nervös als romantisch werden.

Aussagen und Fragen wie „Wir können überhaupt nicht tanzen!“, „Muss es wirklich ein Hochzeits-Walzer sein?“ oder ganz grundsätzlich: „Braucht man heute überhaupt noch einen Hochzeitstanz?“ höre ich immer wieder.

Die kurze Antwort auf die Fragen lautet: Nein.

Ihr müsst auf eurer Hochzeit überhaupt keinen Hochzeitstanz machen. Trotzdem würde ich ihn in den meisten Fällen nicht einfach streichen. Denn er erfüllt eine Funktion, die für den weiteren Verlauf des Abends ziemlich wichtig sein kann.

Der Hochzeitstanz ist eigentlich ein Eröffnungstanz

Schon die Bezeichnung macht einen Unterschied. Wer vom „Hochzeitstanz“ spricht, denkt schnell an einen perfekt einstudierten Wiener Walzer, Tanzstunden und daran, dass plötzlich sämtliche Augen auf einen gerichtet sind.

Aus meiner Sicht als Hochzeits-DJ ist es deshalb sinnvoller, von einem Eröffnungstanz zu sprechen. Denn genau das ist seine eigentliche Aufgabe: Er eröffnet die Tanzfläche.

Bis zu diesem Moment befindet sich eine Hochzeitsgesellschaft meistens in einem völlig anderen Modus. Die Gäste haben gegessen, Gespräche geführt, vielleicht Reden gehört, Fotos gemacht und an ihren Tischen gesessen.

Und irgendwann soll aus der Hochzeitsfeier eine Party werden. Das klingt im Grunde selbstverständlich, ist es aber nicht.

Irgendjemand muss diesen Übergang einleiten. Und kaum etwas funktioniert dafür so natürlich wie das Brautpaar, das gemeinsam die Tanzfläche eröffnet.

Warum der Eröffnungstanz für die Party hilfreich ist

Natürlich könnte der DJ irgendwann einfach die Musik lauter machen und einen Partysong spielen. Aber wer geht dann als Erstes auf die Tanzfläche?

Genau da entsteht auf Veranstaltungen manchmal dieser etwas merkwürdige Moment: Eigentlich hätten viele Lust zu tanzen, aber niemand möchte derjenige sein, der alleine anfängt.

Der Eröffnungstanz löst dieses Problem ziemlich elegant. Das Brautpaar gibt den Gästen ein eindeutiges Signal: Jetzt verändert sich der Abend. Jetzt beginnt die Party. Aus meiner Sicht ist das der eigentliche Wert des Eröffnungstanzes. Nicht die tänzerische Leistung, nicht die Choreografie und auch nicht die Frage, ob jeder Schritt perfekt sitzt.

Es geht um den gemeinsamen Moment und um den Übergang, den er erzeugt.

Ihr müsst niemandem etwas beweisen

Ein Eröffnungstanz ist keine Tanzprüfung. Und trotzdem setzen sich manche Paare damit erstaunlich unter Druck. Dann werden wochenlang komplizierte Choreografien geübt und beim eigentlichen Tanz denkt man weniger an den Menschen vor sich als daran, ob der nächste Schritt nun mit links oder rechts beginnt.

Natürlich kann eine einstudierte Choreografie großartig sein wenn ihr Spaß daran habt. Aber wenn nicht, lasst es einfach. Ein Hochzeitstanz darf sehr einfach sein.

Ihr könnt euch im Arm halten und euch gemeinsam zur Musik bewegen. Ihr könnt ein paar Grundschritte lernen und nach einer Minute eure Gäste dazuholen. Und wenn ihr beide merkt, dass Tanzen wirklich überhaupt nicht euer Ding ist, dürft ihr auch einen völlig anderen Weg wählen.

Eure Hochzeit sollte zu euch passen und nicht zu einer Vorstellung davon, was man angeblich machen muss.

Muss der Hochzeitstanz ein Walzer sein?

Nein, natürlich nicht. Ein klassischer Walzer kann wunderschön sein. Er wirkt elegant und passt gerade in einem festlichen Ambiente sehr gut. Aber es gibt keinerlei Regel, nach der ein Hochzeitstanz zwingend ein Walzer sein muss.

Vielleicht gibt es einen Song, der euch seit Jahren begleitet. Vielleicht verbindet ihr mit einem bestimmten Lied eine gemeinsame Reise, den ersten Kuss oder einen anderen besonderen Moment. Vielleicht hört ihr privat lieber Pop, Soul oder Rock. Ein Lied zu wählen, das wirklich etwas mit euch zu tun hat, ist häufig die bessere Entscheidung als ein Walzer, den ihr nur nehmt, weil man das eben so macht.

Einen Punkt solltet ihr trotzdem berücksichtigen: Nicht jeder schöne Song lässt sich auch angenehm tanzen. Wenn ihr euch unsicher seid, probiert euren Wunsch einfach ganz praktisch aus. Wohnzimmer frei machen, Musik an und gemeinsam ein paar Minuten dazu tanzen. Meist merkt man ziemlich schnell, ob sich ein Song gut anfühlt.

Wie lange sollte ein Eröffnungstanz dauern?

Auch hier entsteht häufig unnötiger Druck. Nur weil ein Song vier Minuten dauert, müsst ihr nicht vier Minuten alleine auf der Tanzfläche verbringen. Gerade wenn ihr euch dort ohnehin etwas unwohl fühlt, können sich vier Minuten erstaunlich lang anfühlen.

Aus meiner Sicht reichen häufig bereits etwa eineinhalb bis zweieinhalb Minuten. Danach kann beispielsweise der DJ den Song ausblenden oder weitere Gäste auf die Tanzfläche holen. Eine schöne Variante ist, zunächst Eltern oder Trauzeugen dazuzuholen und anschließend die Tanzfläche für alle Gäste zu öffnen. So entwickelt sich aus einem intimen Moment ganz natürlich eine Party.

So wird aus dem Eröffnungstanz eine volle Tanzfläche

Der Song nach dem Eröffnungstanz ist für mich fast genauso wichtig wie der Eröffnungstanz selbst. Wenn nach einem emotionalen Hochzeitstanz plötzlich ein völlig unpassendes Lied läuft und alle Gäste wieder zu ihren Plätzen gehen, wurde eine große Chance verschenkt. Deshalb lohnt es sich, den Übergang vorher kurz mit dem DJ abzustimmen.

  • Soll der erste Tanz komplett gespielt werden?
  • Soll er nach zwei Minuten ausgeblendet werden?
  • Wann sollen die Gäste dazukommen?
  • Welcher Song läuft direkt danach?

Die beste Situation entsteht, wenn der Eröffnungstanz nicht als einzelner Programmpunkt betrachtet wird, sondern als Beginn des Partyblocks. Der Tanz endet also nicht einfach sondern die Party übernimmt.

Welcher Song eignet sich für den Hochzeitstanz?

Die Auswahl ist natürlich riesig. Und genau deshalb fällt vielen Paaren die Entscheidung schwer. Bei der Suche würde ich nicht zuerst danach gehen, welches Lied gerade besonders beliebt ist.

Fragt euch lieber:

  • Welcher Song fühlt sich nach uns an?
  • Welche Musik hören wir auch privat?
  • Gibt es ein Lied, mit dem wir eine gemeinsame Geschichte verbinden?
  • Und fühlen wir uns dazu auf der Tanzfläche wohl?

Als Inspiration habe ich einige Spotify-Playlists zusammengestellt:

Musik für den perfekten Hochzeitstanz

Wer es klassischer mag:

Die beliebtesten Hochzeits-Walzer


Mein Tipp: Hört euch nicht nur die ersten 20 Sekunden eines Liedes an, sondern den gesamten Song. Wie entwickelt er sich? Gibt es sehr lange ruhige Passagen? Passt der Text wirklich zu eurer Hochzeit? Und könnt ihr euch vorstellen, genau zu diesem Song vor euren Gästen zu tanzen?

Der perfekte Hochzeitssong ist nicht unbedingt das Lied, das alle anderen wählen würden. Es ist der Song, bei dem ihr euch wohlfühlt!

Und was ist mit Vater-Tochter-Tanz oder anderen besonderen Tänzen?

Manche Paare möchten zusätzlich zum gemeinsamen Eröffnungstanz noch einen besonderen Moment mit ihren Eltern oder anderen wichtigen Menschen gestalten. Der Vater-Tochter-Tanz ist beispielsweise vor allem aus amerikanischen Hochzeiten bekannt, findet aber auch hier immer häufiger seinen Platz. Auch dafür gilt: Es gibt keine Pflicht und keine feste Regel.

Vielleicht tanzt die Braut mit ihrem Vater oder vielleicht der Bräutigam mit seiner Mutter. Vielleicht möchtet ihr Großeltern, Geschwister oder einen anderen wichtigen Menschen einbeziehen. Wenn dieser Moment für euch eine Bedeutung hat, kann er sehr emotional sein.

Ein paar musikalische Ideen habe ich auch dafür gesammelt:

Ideen für den Vater-Tochter-Tanz

Was, wenn wir überhaupt keinen Eröffnungstanz möchten?

Dann macht keinen Eröffnungstanz, fertig. Auch ohne klassischen Eröffnungstanz kann man eine Party eröffnen. Ihr könnt gemeinsam mit allen Gästen direkt auf die Tanzfläche gehen. Der DJ kann den Partybeginn moderieren. Vielleicht gibt es einen Song, bei dem ohnehin sofort alle mitmachen. Manche Paare verbinden den Übergang zur Party auch mit einem anderen Programmpunkt, zum Beispiel dem Brautstraußwurf.

Wichtig finde ich lediglich, dass es überhaupt einen erkennbaren Übergang gibt. Denn eine gute Party beginnt selten zufällig.

Wenn niemand den Anfang macht und auch niemand ein klares Signal setzt, bleibt eine Hochzeitsgesellschaft manchmal deutlich länger im gemütlichen Abendessen-Modus, als eigentlich geplant war.

Der Eröffnungstanz ist keine Pflicht

Ihr braucht keinen Hochzeitstanz, weil irgendein Ratgeber behauptet, dass er zu einer Hochzeit gehört. Ihr braucht schon garkeinen perfekten Walzer und keine komplizierte Choreografie. Und ihr müsst nicht monatelang etwas trainieren, das euch eigentlich überhaupt keinen Spaß macht.

Trotzdem halte ich den Eröffnungstanz für einen sehr schönen und gleichzeitig praktischen Bestandteil einer Hochzeit. Denn manchmal reichen schon 90 Sekunden, ein Song, den ihr liebt, und zwei Menschen, die sich auf der Tanzfläche einfach wohl miteinander fühlen.

Nicht der Eröffnungstanz ist Pflicht. Aber jede gute Party braucht irgendwann einen Moment, an dem sie wirklich beginnt.

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