Ein DJ allein macht noch keine gute Party.
Das klingt aus dem Mund eines DJs vielleicht etwas ungewöhnlich, trotzdem bin ich fest davon überzeugt.
Nur weil irgendwo jemand hinter einem DJ Counter steht, entsteht noch lange keine gute Stimmung. Ein DJ kann keine Gäste zum Tanzen und Feiern zwingen, er kann keine schlechte Eventplanung ungeschehen machen, keine volle Tanzfläche herbeizaubern und auch nicht jede Veranstaltung musikalisch retten.
Und mal so ganz grundsätzlich: Musik abspielen kann heute theoretisch wirklich jeder.
Warum sollte man heute überhaupt noch Geld für einen DJ ausgeben?
Die eigentliche Frage dahinter lautet deshalb nicht „DJ oder Playlist“, sondern: Was soll die Musik auf einer Veranstaltung eigentlich bewirken?
Wenn Musik lediglich im Hintergrund laufen soll, die musikalische Richtung klar feststeht und niemand erwartet, dass sich daraus im Laufe des Abends eine große Party entwickelt, kann eine gut vorbereitete Playlist vollkommen ausreichend sein.
Wenn die Gäste vor allem zusammensitzen, essen, reden und die Musik eher Atmosphäre schaffen soll, muss nicht zwingend jemand stundenlang hinter einem DJ-Pult stehen.
Denn wenn die einzige Aufgabe darin bestehen soll, eine vorher festgelegte Playlist abzuspielen, ist ein DJ tatsächlich überbewertet. Der eigentliche Job beginnt an einer anderen Stelle.
Ein DJ spielt nicht einfach Musik ab
Die Vorstellung eines Veranstalters von der Tätigkeit eines DJs ist manchmal erstaunlich simpel: Ein Mensch besitzt sehr viele Songs und spielt davon die richtigen ab. Aber das wäre in etwa so, als würde man sagen, ein Koch sei jemand, der viele unterschiedliche Lebensmittel kennt und diese warm macht.
Natürlich gehört auch dieser Teil dazu. Aber der wesentliche Teil der Arbeit liegt in den Entscheidungen.
- Was passt gerade?
- Wie reagieren die Gäste?
- Welche Gruppe ist momentan auf der Tanzfläche?
- Kann ich die musikalische Richtung weiterentwickeln oder sollte ich sie noch etwas länger halten?
- Ist jetzt der richtige Moment für einen bekannten Klassiker oder verliere ich damit gerade die jüngeren Gäste?
- War ein Musikwunsch wirklich eine gute Idee oder möchte eigentlich nur eine einzelne Person diesen Song hören?
- Wann braucht die Party neue Energie?
- Wann sollte man gerade überhaupt nichts verändern?
Diese Entscheidungen entstehen nicht mehrere Wochen vorher bei der Erstellung einer Playlist. Sie entstehen in diesem Moment. Genau deshalb kann ein guter DJ manchmal einen Song spielen, den vorher niemand genannt hätte und plötzlich funktioniert der ganze Raum.
Der DJ ist nicht alleine für die Stimmung verantwortlich
Das wird aus meiner Sicht häufig unterschätzt. Eine gute Veranstaltung entsteht aus vielen Faktoren: Natürlich aus den Gästen, dem Veranstalter, dem Ablauf, dem Raum, dem Licht, der Lautstärke, den Programmpunkten und natürlich auch der Musik. Der DJ ist ein wichtiger Teil davon, aber nicht der Alleinverantwortliche.
Ein DJ kann eine vorhandene Stimmung aufnehmen, verstärken und musikalisch weiterentwickeln. Aber er kann sie weder aus dem Nichts erschaffen noch eine schlecht organisierte Veranstaltung im Alleingang retten. Und wenn die Gäste lieber an ihren Tischen sitzen und sich unterhalten möchten, dann darf das auch in Ordnung sein.
Und vielleicht sollten wir das auch gar nicht wollen. Eine Party funktioniert am besten, wenn sie sich entwickelt und nicht wenn sie künstlich erzwungen wird.
Viele Köche verderben den Brei
Es gibt allerdings noch eine andere Situation, in der DJs tatsächlich ziemlich überbewertet oder falsch eingeschätzt sind: Wenn man einen DJ engagiert und ihm anschließend nicht richtig zutraut, seinen Job zu machen. Ich habe Veranstaltungen erlebt, bei denen im Laufe eines Abends plötzlich erstaunlich viele Menschen glaubten besser zu wissen, welche Musik jetzt unbedingt gespielt werden müsste.
Der Veranstalter hat eine Idee.
Ein Familienmitglied hat eine andere.
Ein Gast vertritt angeblich die Interessen der jüngeren Generation während jemand anderes genau weiß, was die älteren Gäste hören möchten.
Dazu kommen Musikwünsche von der Tanzfläche und selbstverständlich noch die Playlist, die vorher bereits geschickt wurde.
Jeder einzelne Wunsch kann nachvollziehbar sein. Das Problem entsteht erst dann, wenn alle gleichzeitig versuchen, die musikalische Richtung des Abends zu bestimmen. Dann steht zwar weiterhin ein DJ hinter dem Pult, faktisch arbeitet dort aber ein menschlicher Musikplayer mit mehreren Fernbedienungen.
Ein gutes Event ist Teamarbeit. Aber Teamarbeit bedeutet nicht, dass alle gleichzeitig das Lenkrad halten.
Ein guter DJ braucht ein Mandat
Damit meine ich keine völlige Narrenfreiheit. Natürlich entscheidet der Veranstalter, welchen Rahmen seine Veranstaltung haben soll. Dazu gehören folgende Fragen:
- Welche Musikrichtungen passen?
- Was soll auf keinen Fall gespielt werden?
- Welche Songs haben eine besondere Bedeutung?
- Welche Gäste kommen?
- Wie soll sich der Abend entwickeln?
- Gibt es feste Programmpunkte oder ein festes Motto?
- Wie laut darf oder soll es werden?
All diese Informationen sind für einen DJ enorm wichtig. Aber irgendwann müssen daraus konkrete Entscheidungen entstehen: über Timing, Reihenfolgen, Übergänge, Dynamik und die Reaktion auf die Gäste.
Genau dafür wird ein professioneller DJ engagiert. Man kauft nicht nur Musik und Technik, sondern vor allem Erfahrung und Entscheidungen.
Dazu gehört übrigens auch, manchmal eine Entscheidung zu treffen, die im ersten Moment nicht jedem einzelnen Gast gefällt. Nicht jeder Musikwunsch passt zu jedem Zeitpunkt. Nicht jede Tanzfläche braucht sofort einen neuen musikalischen Impuls, manchmal ist gerade das „weiterlaufenlassen“ die richtige Entscheidung.
Musikwünsche sind dabei ausdrücklich willkommen. Sie geben Hinweise darauf, was einzelne Gäste gerade hören möchten und manchmal auch darauf, wohin sich eine Party entwickeln könnte. Entscheidend ist, dass aus einem Musikwunsch kein Anspruch entsteht, dass genau dieser Song als nächstes läuft. Und nicht jeder Gast, der zum DJ kommt, spricht automatisch für die Interessen der anderen.
Ein guter DJ muss zwischen einem persönlichen Wunsch und einem Signal aus dem Raum unterscheiden können. Das funktioniert aber nur, wenn er auch die Möglichkeit bekommt, danach zu handeln.
Vielleicht braucht ihr wirklich keinen DJ
Soll jemand lediglich Musik abspielen oder eine exakt vorgegebene Songliste abarbeiten, dann reicht möglicherweise eine Playlist aus. Und wer ohnehin jeden musikalischen Schritt selbst bestimmen möchte, sollte sich fragen, ob die Investition in einen erfahrenen DJ überhaupt sinnvoll ist.
Soll aber jemand die Verantwortung für die musikalische Entwicklung des Abends übernehmen, die Gäste beobachten, spontan reagieren, Wünsche einordnen und verschiedene Menschen musikalisch zusammenbringen, dann sprechen wir über eine andere Aufgabe.
Und genau dafür kann ein guter DJ sehr wertvoll sein. Nicht weil er einen Laptop besitzt, nicht weil er besonders viele Songs besitzt und auch nicht, weil auf seinem Tisch ein Mischpult mit vielen Knöpfen steht.
Sondern weil er weiß, wann er was tun sollte. Und vielleicht noch wichtiger: wann nicht.
Sind DJs also überbewertet?
Jedenfalls dann wenn man glaubt, alleine ihre Anwesenheit würde eine gute Party garantieren. Oder wenn man sie engagiert, ihnen aber anschließend jede Entscheidung abnimmt. Ein guter DJ alleine ist kein Garant für eine gelungene Veranstaltung.
Aber wenn Veranstalter und DJ ihre jeweiligen Rollen kennen, ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich gegenseitig vertrauen, kann Musik weit mehr sein als nur Hintergrundbeschallung.
Dann wird aus einzelnen Songs ein stimmungsvoller Abend und aus vielen kleinen Entscheidungen ein SoundKonzept, das am Ende einfach funktioniert.

